Erfolgreich trotz psychischer Erkrankung

08.10.2013

Zum Welttag der seelischen Gesundheit (10.10.): Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen kosten die Wirtschaft immer mehr Fachkräfte, darunter junge Leute wie Martin Erb. Mit einem Training hat er die Wende geschafft.


Leute, die seine Wohnung abhören, sich in seinen Laptop hacken oder mit der Webcam jede seiner Bewegungen überwachen: Martin Erb (Name geändert) hatte seinen eigenen Überwachungsskandal. Im Sommer 2010 brach er schließlich vor Erschöpfung zusammen. Aber: Die Überwachung gab es nur in seinem Kopf. Paranoide Schizophrenie lautet die Diagnose. Erst die Arbeitstherapie in einer Spezialeinrichtung half ihm, seine Erkrankung in den Griff zu bekommen.

Fast jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland leidet wie Martin Erb an einer psychischen Erkrankung, schätzen Experten. Auch wenn das Wort „Burnout“ in aller Munde ist: Psychische Erkrankungen sind immer noch ein Tabu. Darauf macht der Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober aufmerksam. Erb ging es genauso: „Es ist unglaublich schwer, sich einzugestehen, dass die eigene Wahrnehmung danebenliegt. Ich wusste nicht, wie ich da wieder rauskomme.“ Er fühlte sich permanent verfolgt, so schlimm, dass er seine Ausbildung zum Industriemechaniker abbrechen musste. Trotz Psychiatrie kam der Rückfall.

Plötzlich fehlte dem 27-Jährigen jede Perspektive. Seine Ärzte empfahlen ihm die Rehabilitationseinrichtung für Psychisch Kranke (RPK) der SRH in Karlsbad. Hier lernen Menschen mit psychischen Erkrankungen, wieder in Beruf und Alltag Fuß zu fassen. Erb stieg langsam in die Arbeit ein und konstruierte Modelle in der Holzwerkstatt. Gleichzeitig halfen ihm Ärzte und Sozialpädagogen, mit der Krankheit umzugehen. „Mit den für mich passenden Medikamenten konnte ich einen Rückfall abfangen und das Training erfolgreich beenden.“ Zum Training gehörte ein Praktikum im Maschinenbau, das war für Erb der Türöffner. Die Firma hat ihn danach direkt eingestellt.

Seine Erkrankung ist am Arbeitsplatz allerdings kein Thema. „Meine Auszeit erkläre ich mit einer längeren körperlichen Krankheit. Bei Schizophrenie stößt man doch eher auf Unverständnis.“ Heute geht Martin Erb sehr gerne zur Arbeit und ist froh, seinem Beruf als Industriemechaniker treu geblieben zu sein. Zum Welttag der seelischen Gesundheit wünscht er sich, dass noch mehr Menschen erfahren, wie trotz Erkrankung ein Arbeitsleben gelingen kann.

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