RPK-Jugendwohngruppen erweitern Angebot

05.05.2020

Jugendliche finden nach einer akuten psychischen Erkrankung besonders schwer in ihr Leben zurück. Nachdem sich die Jugendwohngruppen der SRH Rehabilitationsreinrichtung für psychisch Kranke (RPK) seit dem Start 2017 erfolgreich etabliert haben, wird das Angebot in diesem Jahr erweitert.


Jeannette Schmidt, Leiterin der Jugend-Wohngruppen.

Die neue „Klassische Wohngruppe für Jugendliche nach der akuten Phase einer psychischen Erkrankung“ setzt an der Stelle an, an der die Betreuung in Akutkliniken und das bisherige Angebot der Jugendwohngruppen enden. „Das Angebot richtet sich an Jugendliche, die nach der Erkrankung wieder belastbarer sind und Schritt für Schritt zurück ins geregelte Leben gehen möchten. Auf diesem Weg begleiten wir“, verdeutlicht Jeannette Schmidt, Leiterin der Abteilung Jugendwohngruppen der RPK. Die neue Art der Wohngruppe startet am 4. Mai 2020 und umfasst zunächst acht Plätze für Jugendliche von 16 bis 21 Jahren.

Im Gegensatz zu den bestehenden Jugendwohngruppen der RPK mit vielen therapeutischen Inhalten, setzt die neugeschaffene Gruppe andere Schwerpunkte. „Die Jugendlichen sind auf ihrem Weg schon viel weiter. Wir arbeiten weniger therapeutisch. Im Fokus steht das Ziel, ein geregeltes selbständiges Leben außerhalb der Einrichtung zu beginnen“, unterstreicht Schmidt. Ein Team aus erfahrenen Pädagogen und Sozialarbeitern unterstützt die Jugendlichen mit schulischer Förderung, Ausbildung, Arbeitstherapie, Berufsfördernden Angeboten, Einzel- und Familiengesprächen, es begleitet  in Krisensituationen und bietet psychologische Gruppenangebote.

„Eine psychische Erkrankung mit Klinikaufenthalt bedeutet immer eine zeitliche Lücke im Leben. Freunde und Familie haben sich weiterentwickelt. Wir versuchen mit den Jugendlichen, einen Teil dieser Zeit aufzuholen, damit sie wieder Anschluss finden“, ergänzt die Abteilungsleiterin.

Die Jugendlichen leben vormittags in einer festen Struktur (Schule, Ausbildung, Arbeitstherapie), den restlichen Tag verbringen sie zunehmend selbstständig. Moderne Einzimmerapartments mit eigener Nasszelle bieten einen Rückzugsort, ein gemeinsamer Wohnbereich lässt Raum für Austausch und gemeinsame Aktivitäten. Die Lage auf dem SRH-Campus in Karlsbad-Langensteinbach macht das ergänzende Angebot durch kurze Wege regional einzigartig. Mit dem Beruflichen Rehabilitationszentrum (BBRZ) gibt es eine Anbindung zur beruflichen Bildung sollte eine medizinische Behandlung nötig sein, ist das Klinikum mit Psychiatrie in unmittelbarer Nähe.

Der Fokus der Gruppe liegt auf dem Einüben der Herausforderungen im Alltag: Einen eigenen Haushalt führen, Freizeitaktivitäten, eine Ausbildung oder Wohnung finden, Hobbys aus der Zeit vor der Krankheit wiederentdecken oder den regelmäßigen Kontakt zur Familie aufleben lassen. Oft haben sich vor allem soziale Kontakte auf beiden Seiten geändert. Dann gilt es gemeinsam alte Gewohnheiten zu erneuern und Erinnerungen an die akute Krankheitsphase zu überwinden.
Das Konzept setzt dabei auf die größtmögliche Freiheit jedes Jugendlichen. Die Bewohner der Gruppe dürfen (im Rahmen der Grundregeln) selbst entscheiden, ob sie Aktivitäten der RPK nutzen oder sich auf eigene Faust in der Stadt einem Sportverein oder einer Jugendgruppe anschließen. Auch die Besuche bei der Familie teilen sie sich mit den Familien ein.

Regelmäßige Familienbesuche sind wichtig, denn sie schaffen Normalität und neues Vertrauen – das große Ziel. „Deshalb ermöglichen wir ein jugendliches Leben mit allem was dazugehört. Und wenn es der Moped-Führerschein ist, dann sind wir auch da unterstützend an der Seite“, erklärt Schmidt.

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