Neue Wege, Fachkräfte zu gewinnen

14.02.2018

Vor allem mittelständische Betriebe erwartet ein Fachkräftemangel. Wiedereinsteiger in den Beruf sind eine Chance. Darüber informierten sich Unternehmer am 20. Februar bei der SRH in Karlsbad-Langensteinbach.


Stell dir vor, es gibt Arbeit, und keiner geht hin. In Baden-Württemberg fehlen in den nächsten 12 Jahren 257.000 Fachkräfte, prophezeit der Industrie- und Handelskammertag. Gleichzeitig gehen inzwischen 17 Prozent der Fehltage auf psychische Erkrankungen zurück – ein neuer Höchststand. Lösungen für beides bietet eine Zusammenarbeit von Medizin, Rehabilitation und Wirtschaft.

Wie diese Kooperation aussehen kann, darüber informierten sich Arbeitgeber am 20. Februar in Karlsbad-Langensteinbach. Hier unterstützen mit dem SRH Klinikum das Berufliche Bildungs- und Rehazentrum (BBRZ) und die SRH Rehaeinrichtung für Psychisch Kranke (RPK) Menschen nach psychischen Erkrankungen dabei, beruflich wieder einzusteigen. Über Praktika bringen sie Nachwuchskräfte in Betriebe. Der Verein „Aktiv gegen Stigma e.V.“ und die Karlsbader Selbstständigen hatten Unternehmer eingeladen, das Konzept kennenzulernen.

Wie viel mute ich mir selbst eigentlich zu? Diese Frage stellten sich die Besucher nach der Veranstaltung ganz automatisch. So eindrücklich waren die Fakten, die Dr. Gustav Wirtz, ärztlicher Leiter der RPK, präsentierte. Fast 160.000 Arbeitnehmer waren im vergangenen Jahr wegen psychischer Leiden krankgeschrieben, im Schnitt fallen sie fast einen Monat lang aus. Bei vielen sei dies nur der Anfang. „Wir müssen gemeinsam Vertrauen aufbauen, dass wir den Menschen aus der Abwärtsspirale von beruflichen Fehlschlägen und erneuter Krankheit heraushelfen können“, appellierte Dr. Wirtz an die Unternehmer.

Wie wichtig dafür ein Praktikum während der Ausbildung ist, bestätigte Klaus Steigerwald, Gründer einer Modellbaufirma und Vorsitzender der Karlsbader Selbstständigen: „Wir haben einen Praktikanten aus der SRH in Karlsbad-Langensteinbach als Auszubildenden übernommen und sind sehr zufrieden. Ohne die Kooperation hätten wir die Stelle nicht besetzen können.“

Anschließend machten drei Absolventen ihre persönlichen Erfahrungen greifbar. „Anders als bei einem Beinbruch fängt man nach der psychischen Erkrankung wieder bei null an. Was kann ich, worin bin ich gut? Dafür braucht es Verständnis.“

Dieses vertieften die Teilnehmer der Veranstaltung anschließend bei einem Rundgang durch das BBRZ. Am 3D-Drucker und in der Fahrradwerkstatt erfuhren die Unternehmer, welche Qualifikationen die Absolventen mitbringen. Damit die nächsten Fachkräfte gesichert sind.